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Die allgemeine Vorstellung über das, was Yoga ist, beruht
zu weiten Teilen auf sehr allgemeinen Klischees. Entspannung, Om-Singen,
Meditation und Erleuchtung im Schneidersitz bei leisen Klängen und Räucherstäbchen
sind die ersten Assoziationen, die Befragte in der Regel parat haben. Bei
Körperübungen liegen der Kopfstand und Lotus und die Idee des Verknotens an erster Stelle.
Yoga ist erst vor rund 100 Jahren von Indien in den Westen übermittelt worden
- damals gab es einzelne Yogis, die sich auf den Weg machten und ihr Wissen
einem meist erlesenen Publikum vorstellten. Oft erstauten sie die Zuschauer
mit recht extremen "Verrenkungen" und ihren Fähigkeiten, willkürlich organische
Funktionen zu beeinflussen, die normalerweise unserem Zugriff nicht unterliegen.
Nach dem 2. Weltkrieg begann Yoga im Westen stärker Fuß zu fassen. Auch reisten
viele "Hippies" in den 70er Jahren nach Indien und kehrten vom Yoga inspiriert
zurück. Die besondere Faszination lag sicher in der Kombination einer körperbezogenen
Disziplin und der Einbettung in ein System östlicher spiritueller Denkweisen,
die dem Westen in seiner materialistischen Ausrichtung immer mehr abhanden zu kommen schienen.
Verschiedene indische Yogameister hatten sich inzwischen im Westen etabliert,
deren Schwerpunkte und Unterrichtsmethoden zum Teil erheblich voneinander abwichen.
Diese spiegelten die große Bandbreite des Yoga wider, eines Systems, das Körper- und
Atemübungen genauso wie Konzentration und Meditation zum Inhalt hat. Teilweise wurden
auch die ethischen und spirituellen Denk- und Lebensweisen zum Hauptinhalt der Lehre gemacht.
Am größten ist heute im Westen die Verbreitung des Hatha Yoga,
der die Körper- und Atemübungen in den Mittelpunkt stellt. Diese Übungen zielen
darauf ab, den gesamten Körper mit Skelettapparat und Organen in guter Verfassung
zu halten und damit auch Geist und Psyche zu einer ausgeglichenen und schöpferischen
Aktivität zu bringen. Wahrscheinlich ist uns im Westen dieser Ansatzpunkt am vertrautesten.
B.K.S.Iyengar, der heute 93-jährig im indischen Pune lebt, ist ein Vertreter des Hatha Yoga
und hat in den vergangenen 67 Jahren viele Yogahaltungen präzisiert und neu entwickelt.
Für ihn ist der Körper ein nie endender Quell möglicher Erfahrungen des Bewusstseins
und damit auch von immer neuen Erkenntnissen über sich selbst. Er insistiert auf
einen intensiven Einsatz bei seinen Schülern und sicher kommt gerade dieses Merkmal
seines Stils vielen leistungsorientierten Menschen aus dem Westen entgegen.
Sein Unterrichtsstil zählt heute zu den meistgelehrten.
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